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Recruiting als Spiel und das Märchen vom Fachkräftemangel – Was letzte Woche geschah

15. Juli 2015 -
Recruiting als Spiel und das Märchen vom Fachkräftemangel – Was letzte Woche geschah

Letzte Woche haben wir es bereut, dass es niemanden bei uns im Büro gibt, der Französisch sprechen oder über die Grundkenntnisse hinaus verstehen kann (immerhin hat unsere Umfrage ergeben, dass wir neben flüssig Englisch und Niederländisch auch noch Tamilisch abdecken – das soll mal jemand von sich behaupten!). Das machte das Spielen des Serious Games, mit dem der französische Eisenbahngesellschaft SNCF nach Ingenieuren gesucht hat, nicht ganz einfach für uns. Womit es damit auf sich hat und was sonst noch letzte Woche für uns interessant war, lesen Sie hier.


The most serious game ever

So wird die von TBWA und Dan Paris entwickelte Défi Ingéngieurs (Engineer Challenge) betitelt, welche die Wollmilchsau vorgestellt hat. Und in der Tat ging es ans Eingemachte: Die Aufgaben in diesem Spiel wurden dazu erdacht, um Ingenieurstudenten vor fast unmögliche Aufgaben zu stellen, mit denen man bei SNCF konfrontiert wird. Ob die Konstruktion eines U-Bahn-Netzwerks, das Planen von Umsteigzeiten, die Kontrolle der Auslastung der Züge durch die Bahnkunden – in diesem Spiel wurde viel Mathematik gefordert. Über 5000 Teilnehmer haben sich an das Spiel gewagt, 17 Teilnehmer haben es erfolgreich beendet – das sind 0,34 % – und 10 haben schließlich einen Job bei SNCF erhalten. Was Défi Ingénieurs zeigt? Ein ziemlich unschlagbares Beispiel für die Gamification im HR-Sektor aufgrund mehrerer Punkte: Der Inszenierung, die vor allem durch ihren Drang zur Geschwindigkeit in Bild und Ton den Teilnehmer mitreißt; dem Cross-Plattforming, denn das Spiel ist mobil optimiert und auf die damit verbundenen Verzögerungsprobleme abgestimmt; und schließlich die Candidate Experience an sich durch ständiges Feedback für die Spieler und die Möglichkeit, sich direkt mit ihrer Persona via Facebook und LinkedIn anzumelden. Hut ab und schade, dass das Spiel nicht multilingual angelegt wurde. Das war zwar offensichtlich nicht fürs Recruiting nötig (und wurde wahrscheinlich auch deswegen nicht in Betracht gezogen), hätte den Zugang zum gesamten Prozess jedoch noch ein wenig erweitert.


Das Märchen vom Fachkräftemangel

So lautet der Titel einer 45 minütigen Reportage, die im Ersten vergangene Woche ausgestrahlt wurde. Hier kommen Arbeitnehmer, Sprecher der Agentur für Arbeit und Experten aus der Arbeitswelt zu Wort und werden in ihren Meinungen gegenübergestellt. Zugegeben, die Geschichte ist schnell erklärt: Während die Agentur und Vertreter der Branchen beklagen, dass man es maximal mit Not schafft, mit Fachkräften aus dem Ausland den Bedarf zu decken, klären Sprecher wie Simone Janson darüber auf, dass sich der Fachkräftemangel vor allem als Mythos und eine Haltung entpuppt, die eingenommen wird, um günstige Fachkräfte aus dem Ausland zu rechtfertigen. Die Einheimischen bleiben oftmals auf der Strecke. Wer die entsprechenden Blogs liest, kennt die Lage bereits zu genüge. Die entsprechend vorgebrachten Argumente, die den Fachkräftemangel als realistisches Problem darstellen, wurden auch nochmal von Svenja Hofert zusammengetragen und entkräftet. Bleibt die Frage offen, warum eine solche Reportage erst spätabends ausgestrahlt wird?


Die Folgen der Noteninflation

Immer mehr Abiturienten beenden die Schule mit einem Einserschnitt. Das berichtet dieWirtschaftswoche. Auch Universitäten senden immer mehr Absolventen mit Summa Cum Laude ins Berufsleben aus. Doch woher kommt das? Werden Schüler und Studenten immer klüger? Oder sind Dozenten und Lehrer einfach freigiebiger mit guten Noten? Die Frage, die uns in diesem Zusammenhang beschäftigt ist aber: Wie sollen Personaler in Zukunft mit Abschlusszeugnissen umgehen? Natürlich gibt es schon länger Bestrebungen, weniger Wert auf die Abschlussnote und mehr Wert auf Persönlichkeit und Fähigkeiten zu legen. Das macht den Recruitingprozess nicht leichter – aber effektiver.