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Fundstück: Millennials entschuldigen sich bei den Baby Boomern

15. Juli 2015 -
Fundstück: Millennials entschuldigen sich bei den Baby Boomern „Wir sind egoistisch, faul und unreif. Entschuldigung, liebe Baby Boomer.“ So beginnt ein meiner Meinung nach ziemlich gut gemachtes Video zum Dilemma der Generation Y, das sich natürlich selbst nicht ganz ernst nimmt. Trotzdem (oder gerade deswegen) können wir für das Personalmarketing und gegen die Verständnisprobleme unterschiedlicher Generationen am Arbeitsplatz davon jede Menge mitnehmen.


Auch wenn das Video in einigen Dingen besonders Bezug auf die Situation in den Vereinigten Staaten nimmt, stimmen doch auch einige Aspekte mit den deutschen Millennials überein. So kennen auch wir das Phänomen des „Überlobens“. Vom Kindergarten an gab es Teilnahmeurkunden und 2. Sieger, das Wort „Verlieren“ ist in unserem Wortschatz so negativ besetzt – da muss man schon alles falsch gemacht haben, um zu verlieren. Alles.

Es hilft natürlich nicht, sich gegenseitig anzuschuldigen, weil man sich nicht versteht. Aber hier kommen wir ja zum eigentlichen Problem: Häufig wird nicht mal versucht einander zu verstehen. Empathie ist eben etwas, das nur die wenigsten wirklich tagtäglich leisten können und so ist es kein Wunder, wenn die erfahrenen, alteingesessenen Mitarbeiter von den jungen Kollegen genervt sind und umgekehrt. Es gilt also Verständnis zu schaffen.


Solange du deine Füße unter meinen Bürotisch stellst,…

Vielmehr noch zeigt das Video auf, dass wir es hier auch mit einem Problem zwischen Eltern- und Kindergeneration haben. Denn im Endeffekt hat so gut wie jeder der Generation Y „Baby Boomer“-Eltern. Wenn also der ältere Kollege in den „Kontrollwahn“ verfällt und alles genau bürokratisch protokolliert haben möchte, gleichzeitig aber nicht hinbekommt, sich bei Facebook anzumelden, dann kommt das den Millennials von zuhause nur allzu bekannt vor. Gleiches gilt für die Baby Boomer, die sich über die Kinder aufregen, die beim gemütlichen Familienessen nur auf den Smartphone-Bildschirm starren und jetzt das Gleiche beim jungen Kollegen vom Schreibtisch gegenüber erleben, der zudem immer 5 Minuten zu spät kommt.


Es dürfte gerade in großen Unternehmen schier unmöglich sein, jedem Einzelnen und seinen Bedürfnissen immer stark entgegenzukommen. Aber sicher gibt es in einigen Bereichen Möglichkeiten, Kompromisse zu finden. Während Millennials gerne konstant und direkt Feedback hätten, setzen Baby Boomer auf festgelegte Feedbackgespräche. Setzen sie doch einfach kürzere Intervalle für Feedbackrunden an, die so den Millennials zugutekommen, und legen sie dafür konkrete Termine fest, an die sich die Boomer halten können.


Die ältere Generation wirkt auf den Arbeitgeber zunächst angenehmer. Man gibt ihr die typischen 9to5-Arbeitszeiten und sie steht pünktlich auf der Matte – geht aber genauso pünktlich wieder. Millennials arbeiten lieber nach ihrem eigenen Rhythmus. Wenn es ihnen nicht so gut geht, möchten sie lieber im Home Office sitzen. Dafür bleiben sie an anderen Tagen auch gerne mal drei Stunden länger. Warum nicht einfach Gleitzeit mit festen Rahmenbedingungen als Kompromiss? Zwischen halb 10 und 4 muss einfach jeder im Büro sein, ob er die anderen Stunden dann vorne oder hinten dranhängt, ist ihm überlassen.


Eine Generation besteht aus Menschen nicht aus Vorurteilen

Bei all der Kritik und Diskussion darf man aber zu guter Letzt nicht vergessen, dass wir es immer noch mit Individuen und nicht mit homogenen Generationsgruppen zu tun haben. Sie kennen sicher den ein oder anderen Baby Boomer, der lockerer drauf ist als so manch „spießiger“ Millennial und mal eben das Smartphone vom Nachbarn reparieren kann. Auf der anderen Seite gibt es sehr durchorganisierte und konzentrierte Millennials, die einfach gerne abarbeiten und sich nicht immer selbstverwirklichen müssen.


Wie das Video (unterschwellig) zeigt: Manchmal reicht es, auf ein paar Dinge aufmerksam zu machen und Denkanstöße zu geben, damit sich die Generationen vielleicht etwas besser verstehen und nicht automatisch in Vorurteile verfallen.