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Lass mich dein Freund sein – Sozialer Druck durch Facebook

06. August 2015 -
Sozialer Druck durch Facebook

Sie kennen das sicher: Nichts Böses ahnend checken Sie Ihre Facebook-Timeline und mit einem Mal ploppt wie aus dem Nichts eine Freundschaftsanfrage auf. Herr Meyer, ihr neuer Kollege, möchte Sie zu seiner Freundesliste hinzufügen. Ein No-Go unter Kollegen – oder längst gelebte Praxis?


In der Businesswelt gibt es zwei verschiedene Szenarien, die wirklich Probleme bereiten können, wenn es um eine Facebook-Freundschaft geht: Entweder der Vorgesetzte schickt seinem Mitarbeiter eine sogenannte Freundschaftsanfrage, oder ein Mitarbeiter will mit seinem Chef auf Facebook befreundet sein. Beide Fälle bergen die Gefahr kleiner und größerer Missverständnisse und Probleme – aber auch einige Chancen.


Das sind Dinge von denen ich gar nichts wissen will

Mit seinem Mitarbeiter auf Facebook befreundet zu sein kann für Vorgesetze natürlich die ein oder andere unangenehme Situation provozieren. So hat ein Chef, auf dessen Facebook-Chronik immer mal wieder wilde Partyfotos oder Urlaubserinnerungen von mallorquinischen Strand erscheinen, so gut wie keinen Einfluss darauf, wie sich sein Image dadurch verändert. Durch eine Freundschaft mit den eigenen Mitarbeitern wird außerdem ein Maß an Nähe suggeriert, das für einige Arbeitsverhältnisse zu hoch ist. Dadurch kann es aber vorkommen, dass Sie als Personalverantwortlicher Dinge über Ihre Mitarbeiter erfahren, die Sie eigentlich gar nicht wissen wollten – zum Beispiel, wie häufig Ihr Mitarbeiter seine Partnerinnen wechselt oder dass ihre neue Auszubildende am Wochenende gerne auch mal über die Stränge schlägt. Derartige Informationen beeinflussen sicher Ihre Wahrnehmung, was die Arbeitsleistung angeht. Und selbst wenn sie sich nicht davon beeinflussen lassen wollen, werden sie vielleicht doch misstrauisch, wenn Ihre Auszubildende demnächst montags weniger Aufgaben erledigt.


Wer ist eigentlich der Mensch hinter dem Job?

Auf der anderen Seite ergeben sich aus einer Facebook-Freundschaft mit einem Mitarbeiter aber auch einige Chancen. Partyfotos hin oder her – durch Ihre feierlustige Auszubildende bekommen Sie einen wunderbaren Einblick in die Interessen und Vorlieben Ihrer Zielgruppe. Die Nähe zu Ihren Kollegen, die durch eine Facebook-Freundschaft entsteht, birgt auch eine große Chance: Sie lernen die Menschen hinter den Positionen kennen. Das stärkt nicht nur den Zusammenhalt im Team, Facebook sorgt so auch dafür, dass Sie keinen Geburtstag mehr vergessen. 


Facebook ist zudem ideal für die Verbreitung von unternehmensbezogenen Inhalten. Sie hatten eine große Sommerfeier, die ein voller Erfolg war? Super! Posten Sie doch ein Foto davon und verlinken Ihre Mitarbeiter. Das ist nicht nur toll für die Außenwirkung Ihres Unternehmens sondern stärkt den Zusammenhalt und die Bindung an Ihr Unternehmen.


Dampf ablassen ohne Facebook

Auch wenn das Sommerfest super war und alle Mitarbeiter einen schönen Abend miteinander verbracht haben, irgendwas ist Feierabend und man möchte einfach mal abschalten und niemanden mehr sehen, den man Tag für Tag im Büro trifft. Man liegt entspannt auf dem Sofa und scrollt durch seine Facebook-Timeline und letztlich sieht man doch nur wieder, welcher Kollege nach Feierabend noch wie weit gelaufen ist oder ein Feierabendbier in der Stammkneipe genießt. Das sind allerdings noch die kleineren Probleme, die sich für den einen oder anderen aus einer Facebook-Freundschaft mit seinen Kollegen oder Vorgesetzten ergeben kann.


Viel schlimmere Konsequenzen kann es haben, wenn der Azubi auf Facebook Dampf über den vergangen Arbeitstag – oder sogar über den Chef – ablässt. Zahlreiche Fälle belegen, dass das schnell zur Kündigung führen kann. Kein Wunder also, dass sich viele Mitarbeiter fühlen durch Ihren Chef im Social Web kontrolliert fühlen. Wenn der Chef eine Freundschaftsanfrage stellt kann man schlecht ablehnen – und schnell gibt es keinen privaten (Online-)Raum mehr, in dem man posten kann, was man möchte. Der Umgang mit dem sozialen Netzwerk wird so von Zwängen kontrolliert, die dort eigentlich nichts zu suchen haben.


Alles eine Frage der Professionalität

Letztlich steht fest: Jeder hat das Recht, selbst zu entscheiden, ob er mit seinen Kollegen, Vorgesetzten oder Mitarbeitern im Social Web vernetzt sein möchte. Als Vorgesetzter sollten Sie vielleicht zunächst von der Facebook-Einladung absehen. Ihre Mitarbeiter werden sich häufig nicht trauen abzulehnen, sich aber vielleicht doch kontrolliert fühlen.


Am wichtigsten ist, dass Firmenkultur und Social Media Freundschaften zu keiner Diskrepanz führen: Wer sich auf der Arbeit höflich mit Frau Meyer siezt sollte logisch nicht unter ihr Facebook-Foto vom Bikini mit „Geil!“ antworten. Hier müssen Sie Ihre eigene sowie die Professionalität Ihrer Mitarbeiter auf den Prüfstand stellen. Sind Sie in der Lage zu ignorieren, dass ein Kollege „Juhu, endlich Freitag“ auf Facebook postet, ohne ihm Unwillen zur Arbeit zu unterstellen? Und sind Ihre Kollegen sich bewusst, dass es Ihr gutes Recht ist, sie darauf anzusprechen, warum sie trotz Krankmeldung Bilder von einem Festival bei Facebook gepostet haben?


Wenn Sie unsicher sind, können Sie entweder Ihre Kollegen auf Facebook durch bestimmte Privatsphäre-Einstellungen von Ihren Urlaubsfotos ausschließen oder auf Business-Netzwerke umsteigen. Dort ist es weitaus weniger verfänglich, mit jedem Azubi befreundet zu sein.  


Sie sehen, im Endeffekt gibt es keine Patentlösung, sondern viele Möglichkeiten. Offenheit zahlt sich aus: Wenn Sie Ihren Kollegen sagen, dass Sie die Anfrage nicht aus persönlicher Abneigung ihm oder ihr gegenüber ablehnen, sondern aus dem Grund, dass Sie Privates und Geschäftliches gerne trennen, wird es mit Sicherheit keine Probleme geben – und der soziale Druck wird durch ein offenes Wort aus der Welt geschafft.