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Wie getdigital einen Employer Branding-Shitstorm hervorrief und stoppte

14. Juli 2015 -
Wie getdigital einen Employer Branding-Shitstorm hervorrief und stoppte

Manchmal geht eine lustige gemeinte Idee schief und dann passiert das, wovor sich nicht nur das Personalmarketing fürchtet: Ein Shitstorm bricht über eine Marke herein. Das Gute am Internet: So schnell sich Leute aufregen, so schnell kann man auch reagieren. Ein aktuelles Beispiel von getdigitalzeigt, wie man seine Arbeitgebermarke im Ernstfall doch noch retten kann.


Alles begann mit einem Bild auf Facebook. Gesine, ihres Zeichens Social Media Managerin, versucht mit einem Schild, auf dem „Bitte Urlaub“ steht, die Fans von getdigital dazu zu bewegen, auf Like zu drücken, damit sie endlich Urlaub bekommt. So weit, nicht so schlimm. Im Text weist sie allerdings auch darauf hin, dass sie auch samstags und sonntags arbeiten muss und Überstunden für den Urlaub machen müsste.


Rufschädigung nicht erwünscht
Wie sie selbst später schreibt, war das Facebook Posting als Witz gedacht, um die Fans zur Interaktion zu bringen. Doch witzig fanden die Fans von getdigital die Aktion ganz und gar nicht. Wenn es um Gerechtigkeitsfragen geht, ist die Internet-Community immer schnell am Start: Sofort wurde das Arbeitsrecht zitiert und über Wochenendarbeit und Überstunden gemeckert. Aber auch Gesine selbst wurde scharf dafür kritisiert, dass sie dieses (vermeintliche) Problem über Facebook öffentlich machte und nicht mit ihren Chefs unter vier Augen diskutierte.


„Ist das hier ernst gemeint oder nur eine sehr schräge Art, Traffic zu erzeugen? Falls ersteres, Gesine, setzen, sechs! Den Arbeitgeber so schlecht da stehen zu lassen geht gar nicht. Was denkst du, wo du hier bist? Und getDigital: Schon mal was vom Arbeitsrecht gehört? Falls das aber ein Gag von getDigital sein soll: WTF? Und was mutet ihr da eurem Mitarbeiter zu, Setzen, sechs!“


Besonders interessant an diesem Beispiel ist, dass nicht nur getdigital als vermeintlich schlechter Arbeitgeber kritisiert wird, sondern mindestens genauso scharf mit der Rufschädigung durch die Mitarbeiterin ins Gericht gegangen wird. Ein Hoffnungsschimmer für all diejenigen, die glauben, das Internet sei durchweg kritikfreudig und schlecht. Eine ansonsten positiv wahrgenommene Marke kann also nicht so einfach durch ein einfaches Mitarbeiterstatement zerstört werden.


Vom „Social Media Fail“ zum authentischen Statement
Von außen ist es natürlich leicht, die Hände über dem Kopf zusammenzuschlagen und den Post als Steilvorlage für einen Shitstorm abzutun. Ihre Antworten auf manche Kommentare, dass sie einfach etwas ausgebrannt sei und Überstunden freiwillig mache, halfen da sicherlich nicht. Aber: getdigital kommuniziert die eigene Arbeitgebermarke auf ihren Social Media-Kanälen generell sehr persönlich, schon erkennbar an der Blog-Kategorie „Aus dem Leben bei uns“. Deswegen hat Gesine auch einen ebenso persönlichen Ansatz gewählt, um die ganze Situation umzudrehen. Mit Erfolg.


Zunächst einmal hat sie die Diskussion von Facebook abgezogen und auf den eigenen Blog verlagert. In einem Artikel hat sie hier sehr offen über ihren Fehler und ihre eigentliche Intention geschrieben und zum anderen dezidiert dargelegt, wie sich das Arbeiten bei getdigital gestaltet.


Wenn es irgendwie geht, wird jedem hier ermöglicht, auch zwei oder drei Wochen am Stück Urlaub zu haben – das ist nicht immer ganz einfach zu realisieren, da wir pro “Abteilung” je nur einen Verantwortlichen haben und es mit der Vertretung manchmal etwas kompliziert wird, da in Eurem Interesse und im Interesse unserer Geschäftspartner so wenig wie möglich liegen bleiben soll, aber es wird möglich gemacht – oft springen sogar die Chefs mit ein und leisten Mehrarbeit, weil sie einige Aufgaben von uns übernehmen.


Zudem versucht sie die Diskussion nicht zu ersticken, sondern fordert auf: „Falls Ihr noch detaillierte Fragen dazu habt, wie es so ist, bei uns zu arbeiten, könnt Ihr sie gerne stellen :)“.


Diese Offenheit scheint sich auszuzahlen, wenn man die Blog-Kommentare betrachtet: „Ich finds super, dass hier auch mal was schief läuft- das ist menschlich und nicht so unnatürlich-perfekt-aufgesetzt-blöd“ und „Danke für die Ehrlichkeit“.


Eine authentische und persönliche Kommunikation ist natürlich angreifbarer als eine neutrale distanzierte Haltung – bringt aber im Endeffekt auch mehr Nähe zu den zukünftigen Bewerbern mit sich und erleichtert es, Missverständnisse aufzuklären. Auch wenn Sie in Ihrer Markenkommunikation nicht so stark auf die persönliche Ebene wechseln möchten wie getdigital, sollten sie spätestens bei Verständigungsproblemen klar, offen und authentisch kommunizieren und vor allem: Fehler zugeben. So wird aus dem Shitstorm schnell Schnee von gestern.